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Paar Episoden aus meinem Leben

"Auf dass der Herr Euch strafe!"

   


Mobbing

   

Die Begriffe wie bemängeln, terrorisieren, beleidigen, abkanzeln, intrigieren, verunsichern , fertigmachen ... – kommen sie Ihnen bekannt vor ? , gehören,  ja richtig, zum Sammelbegriff, Mobbing. Das lernt man in jeder guten Weiterbildungsmaßnahme und ist meist in der Nähe vom Thema „Stressbewältigung“ angesiedelt.

 Einen richtig gängiges Mobbingunternehmen kann  man sich etwa so vorstellen: Die Geschäftsführerin mittendrin - ach  ,   das ist ja wieder Bossing, egal,   lässt durch ihre "Getreuen" so ganz nebenbei verbreiten, dass sich zu viele Angestellte am Schreibtisch festhalten . Gibt bekannt, dass aufgrund des Missverhältnisses zu den abgeschlossenen Verträgen,  sich wohl in nächster Zeit von einigen unangemessen arbeitenden Beschäftigten trennen muss. Nun überlegt sich die Dame, wie sie das praktisch in die Tat umsetzen kann und kommt auf die geniale Idee mit den Abmahnungen. Da ist dann schnell eine Sammlung zusammengestellt, denn jeder macht ja auch mal Fehler und die können dann ganz schnell zur Abmahnung mutieren. Damit auch alle Fehler der Angestellten an ihre Ohren kommen, braucht man treue "Verbündete". Da diese aber nur in geringer Stückzahl , gemeint sind die  "Zuträger" , in den eigenen Reihen, zur Verfügung stehen, werden neue eingestellt. Jetzt bekommt so mancher "Halbleiter" plötzlich ein Problem , weil neben ihm in seinem Ressort ein Zweiter mitbestimmen darf.  Und die Angestellten, die jetzt denken, die beiden sollen sich mal gegenseitig die Hörner abstoßen, haben nun ein viel größeres Problem, weil sie jetzt von zwei Seiten Anweisungen erhalten. Sie müssen sich das jetzt so vorstellen: Chefchen Nr. 1, hat nun im Laufe der Nachwendezeit gelernt, die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen ; das ist ja richtig so. Und jetzt kommt Chefchen Nr. 2, ein junger, dynamischer "Siegertyp", der genau auf die gleichen Schultern, die schon von Chefchen Nr. 1 belegt sind, „seine“ Arbeiten verteilt. Doppelte Arbeit, größere Fehlerquote, und die Sammlung der Abmahnungen kann sich sehen lassen. Da muss dann ja natürlich dem Einen und dem  Anderen gesagt werden, dass sich das Unternehmen,  bei einem erneuten  Fehlverhalten, "leider" von ihm trennen muss. Der Anschiss und der Rausschmiss lauern jetzt immer und überall. Und jetzt kommt der Faktor Mobbing ins Spiel..... Den Begriff „Selbsterhaltungstrieb“ kennen wir aus der Tierwelt, als die Gesamtheit der auf die Erhaltung des Individuums, seines Lebens, seiner Gesundheit abzielenden Triebe, wie Nahrungstrieb, und Verteidigungstrieb. Mobbing aber ist bei den Menschen als ein Instrument für  die Umsetzung des Selbsterhaltungstriebes der “lieben“  Kollegen und vor allem der Kolleginnen,  zu verstehen. Scheißfreundlich ins Gesicht aber knallhart bei der Umsetzung der Instrumente (bemängeln, terrorisieren, beleidigen, abkanzeln, intrigieren, verunsichern, und fertigmachen). Und immer ganz im Sinne der Geschäftsleitung.  Die Frauen sind dabei, wie schon gesagt,  die stärkere Spezis.

In der Tierwelt werden die Widersacher durch Gebärden, Gefauche, Bisse, Tritte, Stiche... vertrieben, aber nach der Evolution hat sich der Mensch dafür List und Tücke zu Eigen gemacht. Und die Frauen beherrschen diese Eigenschaften hervorragend. ( wie schon gesagt )

 Natürlich nicht alle.

 Etliche leiden ja auch darunter.

 - Die Gemobbten natürlich. - 

 

   

 

   

Meine Gitarren

   

 Mein allererstes Musikinstrument war keine Gitarre. Ein Freund bot mir ziemlich preiswert sein Gitarrenbanjo an. Ich glaube, für fünfzig Mark hatte ich es „auf dem Halse“. Hätte ich mit einer Gitarre angefangen, so wäre der ganze Lernprozess viel flotter vorangegangen. Der kurze Banjoklang machte mir beim Stimmen ungeheure Schwierigkeiten . Außerdem musste mein Gehör noch geschult werden. Beim ersten Mal flog mir gleich die tiefe E-Seite um die Ohren, weil ich Sie gleich um eine ganze Oktave zu hoch stimmen wollte. 

 Vom zweiten und dritten  Lehrlingsgeld, das erste wurde „vertrunken“, gönnte ich mir dann eine „Brettgitarre“ für Hundertzwanzig Mark. Mit einem Tonabnehmer und einem Potentiometer , aber mit Vibrator. Das sollte sich aber schnell ändern. Zuerst kam ein Zweiter, dann ein dritter Tonabnehmer dazu und jedes mal wurde die Schaltung und auch das Schlagbrett umgemodelt. An eine Humbucker-Schaltung war damals gar nicht zu denken, die habe ich dann viel später bei meiner letzten Gitarre verwirklicht. Eine Humbucker-Schaltung funktioniert so:  zwei Tonabnehmer werden durch Kippschalter wahlweise parallel- oder hintereinander geschaltet . Man hat somit die Option auf noch mehr Klangvarianten, als wenn jeder Tonabnehmer einzeln abnimmt. Die Brummunterdrückung ist dabei ein gewollter Nebeneffekt.

 Später, als es dann auf die „Bretter, die die Welt bedeuten“,  ging, hatte ich dann eine tschechische „Jolana“, eine Halbresonanzklampfe mit Birnenform, und  eine goldene „Ibanez“, vorne goldig und hinten Mahagoniholz. Dieses edle Stück habe ich einer Witwe für dreitausendsechshundert Mark abgekauft. Ihr Mann, war während des Armeedienstes tödlich verunglückt. Er befand sich nach einem Kurzurlaub auf dem Weg in seine Kaserne, stieg im Zug  auf der falschen Seite aus und wurde vom Gegenzug mitgerissen. Teufel Alkohol hatte zugeschlagen. Damals habe ich mir geschworen, in Sachen Alkohol auf der Hut zu sein, was mir dann aber nicht immer gelang.

Wir fuhren die Klampfe bei der Witwe abholen. Frank war zum Krankenbesuch bei seiner Frau angemeldet . Da lag der Gitarrenkauf am Wege. Die gesamten zwei Stunden, die Frank bei seiner  Frau war, habe ich im Auto mit der neuen Gitarre geübt. Ich war begeistert, fasziniert, ja richtig verliebt in das gute Stück. Sie spielte sich leichter als ihre Vorgängerinnen . Die Seitelage war sehr flach eingestellt. Das will schon etwas heißen, wenn selbst noch im zwölften Bund nur noch eine Visitenkarte unter den Seiten Platz findet und sie dennoch nicht „klirrten“. Diese Gitarre war einfach eine Welt. Sie spielte sich nicht nur leicht, sie gab auch Selbstvertrauen und Selbstsicherheit und wenn man mal “zu“ war, „wie tausend Russen“,  konnte man sich sogar an ihr festhalten und stand noch sicher auf der Bühne.  Jedenfalls hatte ich mir das immer eingebildet.

 Aufgrund eines Studiums an der Ingenieurschule für Maschinenbau, ich setzte  damals drei Jahre mit der Musik aus, verkaufte das gute Stück, weil ich Kohle brauchte. Gerade mal zweitausendachthundert Mark hat der Profi mir dafür gezahlt. Achthundert Mark eingebüßt... Wahrscheinlich hat er gemerkt, wie nötig ich das Geld brauchte.

                                                                                    Auf dass der Herr ihn strafe!.....

 Der Verkauf gelang auch erst  nach dem zweiten Zeitungsinserat.  Nach meiner ersten Scheidung ,1982,  das Verlangen nach den „Brettern, die die Welt bedeuten“ wurde immer heftiger, stieg ich dann bei Eißner, Siggi (Eißner Quartett) ein.

 Eine „Ibanez“-Lizensgitarre , die heute noch an der Wand hängt, machte Ihre Sache auch ganz gut. Zwischendurch habe ich dann mal eine „Fender“ ausprobiert, bin dann aber aus Kostengründen bei meiner „Diamant“ geblieben.  Blockflöte habe ich mir auch selbst beigebracht. In den ewigen Nachtschichten in den Heizungskellern im Grenzregiment 37 in Berlin Schöneweide war das Flötespielen eine willkommene Abwechslung. Einige Flötentöne wurden dann auch bei unserer Tanzmusik geblasen.

 

   
   


Die Lebensrettungsmedaille

   

Es war die Zeit, Ende der schulischen Ausbildung – Anfang der Lehre. Eigentlich kann ich jetzt gar nicht mehr sagen, wie und warum ich mich zur Tanzstunde angemeldet hatte. Ich war eben dabei. Jedenfalls mussten wir uns aufstellen, die Jungs hüben und die Mädchen drüben.

Ein Mädchen, dunkelhaarig, vielleicht einssechzig groß, große braune Augen, etwa achtzehn,  treuen Blick und frauliche Figur, fiel mir sofort auf. Die oder keine dachte ich,

wenn das nicht meine Tanzpartnerin wird, dann sieht mich hier kein Schwein zur zweiten Stunde.  Und das klappte. Beim Kommando „die Herren fordern die Damen jetzt auf“, lief ich sofort los und hatte den Hauptgewinn. So nach und nach getrauten sich dann sie anderen Jungs an den Speck.

 Maria, ein Mädchen vom Lande, ziemlich schüchtern, was auch gut so war. Ich war sofort verknallt. Wir verstanden uns prächtig und ich wurde von Tanzstunde zu Tanzstunde immer lockerer. Holger, späterer Musikerkollege, hatte auch einen zarten Pfirsich ergattert. Damit wir nur mit „unseren“ Mädchen tanzen konnten,  haben wir uns beim Tanzen so geschickt überholten, dass wir nach dem  Wechseln der Tanzpartnerin den ganzen Abend nur mit den zwei Damen getanzt hatten. Ich wurde sogar aufs Land eingeladen, musste also Eindruck hinterlassen haben. Das erste Mal lieh mir mein „Lieblingscousin“ Lutz sein Jawa-Moped. Wir nennen uns heute noch „Lieblingscousin“, weil wir  die einzigen Jungs unserer beiden Väter sind. Ganz förmlich habe ich damals Marias Eltern um die Erlaubnis gebeten, mit ihr den Tanzstundenball bestreiten zu dürfen. Natürlich durfte ich.

 Und dann kam der zweite Mai Neunzehnhundertsiebenundsechzig, der erste warme Frühlingstag des Jahres. Es war Sonnabend, wir hatten uns an einem nahen Steinbruch verabredet. Ich nahm mir vor, dort auf der Decke etwas intimer zu werden, denn außer ab und zu einem Begrüßungsküsschen, war bis dahin noch nichts weiter gelaufen. Vielleicht will sie das ja auch so, dachte ich mir. Die Atmosphäre war dazu genau richtig. Die Sonne wärmte angenehm, und es herrschte eine angenehme Stille, die ab und zu von Vogelgezwitscher unterbrochen wurde.

 Doch es kam ganz anders.

Ich hatte schon die Decke ausgebreitet als Maria, ebenfalls mit einem Fahrrad eintraf. Wir saßen gerade mal so auf der Decke, hatten uns eben begrüßt, ich wollte nicht gleich mit der Türe ins Haus fallen und suchte eine gekonnte Einleitung, als es auf der anderen Steinbruchseite mächtig klatschte. Dann folgten vier Sekunden Ruhe und einige Kinder schrieen lautstark um Hilfe.

Es hatte sich folgendes ereignet: drei oder vier Kinder im Alter von elf, zwölf Jahren hatten sich oberhalb der Steinbruchsteilwand eine Bude gebaut. Ein kleiner Stamm wurde in die Erde gedreht der von fünf, sechs Stricken gehalten wurde. Als Heringe wurden Holzstöckchen verwendet, die dann mit einem Stein in den sandig, felsigen Untergrund geschlagen wurden.  Birkenäste stellten das Dach dar. Jeder, der das liest, kann sich nun ganz leicht vorstellen, dass das eine ganz wackelige Angelegenheit war.

Ein Junge, der bei seinen Großeltern im Nachbardorf zu Besuch war,  muss sich an den Mast gelehnt oder festgehalten haben. Nachdem die Verankerungen dem Druck nachgaben, ist er dann rücklinks mitsamt Mast und Stricken von etwa fünf Metern Höhe in das Wasser geklatscht. Und ich wollte pollern, oder wie man das heutzutage nennt. Jedenfalls sollte es heute passieren.  Und das war mir nach den Hilferufen spontan vergangen.

Ohne nachzudenken und ohne Schuhe aber mit Jeans und Pullover rannte ich los. Ich musste so schnell wie möglich die gegenüberliegende Steinbruchseite erreichen, neben der Steilwand die Felsabsätze herunterklettern und im Wasser den Jungen retten. Die zweihundert Meter machten keine Schwierigkeiten, und die Felsabsätze sprang ich herunter. Als sich die Klamotten mit Wasser vollgesaugt hatten, und das hat keine zwei Sekunden  gedauert, ging ich erst mal selbst unter. Da begriff ich erst, dass es jetzt sauschwer wird. Als ich ran war, tauchte der Junge, der noch seine Joppe anhatte, schon halb ab, war also schon, Gott sei Dank, fix und alle. Nachdem ich ihn raus hatte - wie ich das packte kann ich heute gar nicht mehr richtig beschreiben - konnte ich ihn gerade noch , mit dem Kopf nach unten , über einen Fels legen, damit er "auslaufen" konnte. Ich lag daneben. – Fertig -  Beide,  mussten dann die Absätze hoch gezogen werden. So kaputt war ich mein ganzes Leben nie mehr. 

Das Schönste war, dass zehn Meter neben der Unglücksstelle, Leute der Rettung zuschauten. Und ich musste um den halben Steinbruch herum.

                                    Auf dass der Herr sie .......!

 Marias Mutter hat mich dann, mit meiner Decke umwickelt, nach Hause gefahren, denn es wurde dann auch ganz schön kalt mit den nassen Klamotten.  Der Junge lag danach mehrere Wochen mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Graf hieß er, aber das habe ich erst etwas später erfahren.

Der Tanzstundenball fiel wegen Mangel an Beteiligung aus, die große Liebe verflog und ich hatte nach neun Monaten     – kein Kind –

aber die Lebensrettungsmedaille der Deutschen Demokratischen Republik am Kragen.

 

 

   
   


Schnalli

   

 Bei Spitznamen soll man nicht immer alles auf den ersten Eindruck geben, er ist meist subjektiv und trügt. Der Träger von „ Schnippl“ zum Beispiel, heute ein anerkannter Archäologe, ist vielleicht als Kind öfters mit offenem Hosenstall herumgelaufen oder sah vielleicht aus wie ein  Schnippl. Jetzt sehen wir ihn als sonnengebräunten stattlichen Herrn mit breiten Schultern und aufrechtem Gang im Lesesaal einer Universität. Sie sehen nur an diesen einen Beispiel wie negativ so ein Spitzname einen Menschen darstellen kann. Man kann sich dagegen wehren, anderen diesen Namen verbieten und sonst was anstellen, damit der Name verschwindet - man bekommt ihn nicht gelöscht - . Seine Schüler werden heute noch sagen: „schaut mal, „ Schnippl“ steht am Pult!, und freuen sich diebisch, dass sie den alten weisen Lehrer da vorn virtuell eins drübergezogen haben. So ungerecht ist der Umgang mit Spitznamen.

Beim Namen „Schnippelfalle“ oder  „Vickeniedlich“  sieht das etwas anders aus. Hier geht es nicht um’s Aussehen, hier prägen Eigenschaften die Namensgebung. Die Löschung dieser Namen ist sozusagen nur eine Frage der Zeit, ich meine, des Alters. In der  Jugend bis ins reife Frauenalter klebt der Name förmlich an ihnen und im Alter verliert er sich dann. -  Fast - manch älterem Herren könnte ein mehr- oder- wenigersagendes Schmunzeln überkommen, wenn ihm auf der Straße,  Frau Grube, alias „Rummelnutte“, begegnet.

 Bei meinem Spitznamen „Schnalli“ könnte man nun auf den Gedanken kommen, -  „ Schnalli“ -  Schnallen – Frauen – und was sie an der Stelle tragen, wo die Beine zusammenwachsen - , aber auch dieser Eindruck trügt.

 “Schnalli“ entstand nämlich so: - Achte Klasse – Jugendweihefahrt -  in’s Konzentrationslager nach Buchenwald  - im Bus - . Vorn im Bus unterhielt Ecki die Truppe und hinten saßen Horschtl, Volker und ich und um uns herum ein Haufen Mädchen aus unserer Klasse

 Horschtl schlug vor, „Mutter und Kind“ zu spielen und alle waren begeistert.  „Aber ich will die Mutter sein“, sagte er mit seiner Bassstimme. Volker und ich waren die Kinder, die die „Mutter“ Schnulli und Schnalli, nannte. Schnulli und Schnalli haben sich wie Kleinstkinder benommen, was das Sprechen, Trinken – man bedenke, es gab die behaarte Brust von Horschtel – und das Trockenlegen, angeht. Wir müssen unsere Rollen so gut gespielt haben, dass die anwesenden Damen, damals „Weiber, genannt, sehr viel Spaß an der Darbietung hatten. So wurde der Name „Schnalli“ geboren, den ich nun bis ins hohe Alter zu tragen gedenke, denn los werde ich ihn nie. Weil das nun mal so ist, habe ich eine meiner E-Mail-Adressen  so benannt

 

Aber mit Schnallen hat das nichts zu tun .