„Im
Gleichschritt Marsch....Links, zwo, drei, vier.“............................
...........Und das ging schon fast zwei Kilometer.so..........
„Ein
Lied“!!!.....Na endlich kann es losgehen.
„He, Maria Lumpe, zeig mir deine Pumpe“....................;die
Ausbilder schauten sich entgeistert um....................„heb mal hoch
das rechte Been, wolln mal sehn ob Haare stehn“.................; die
drei Ausbilder laufen nun immer schneller vor dem grölenden Haufen her und
wissen nicht mehr wie sie sich nun verhalten sollen.
An
dieser Textstelle betrug der Abstand von der Truppe etwa zwölf Meter.
„Haare wie ne Elle, Votze wie ne Kelle“.........................;
Abstand jetzt zwanzig Meter; .............. „Arschloch wie een Pulverfaß.
He Maria, was ist das?“...............Nach der dritten Wiederholung des
Textes waren die „Generäle“ soweit vorausgeeilt, daß ein zufälliger
Betrachter der Szene annehmen sollte, die Drei gehören nicht mit dazu.
Der
Spaß in der Gruppe war riesengroß, vor allem für diejenigen im Haufen, die
das Lied nicht kannten und nach der Aufforderung: „ein Lied“, ganz spontan
dieser üble Song angestimmt wurde, und weil sich dann auch noch die
„Kapitäne“ vom sinkendem Schiff absetzten.
Wir
marschierten ja durch ein Dorf!!.
Nach der vierten Wiederholung verstummte das Lied.
Es
war erreicht .
Der
Abstand zur Führungsspitze verringerte sich nach der Sangesruh jetzt
spontan, aber der Groll saß tief. Wie tief, das sollten wir erst einen Tag
später zu spüren bekommen.
Vorher
standen wir nach einem langen Anmarsch, stundenlang im Wald herum,
aufgeteilt in drei Zehnerhaufen, die nacheinander in ERSTE HILFE,
LUFTGEWEHRSCHIESSEN, HANGELN, TARNEN, GLEICHSCHRITT....und so weiter,
„unterrichtet“ wurden.
Vormillitärische Ausbildung, ein Bestandteil der sozialistischen
Elektromonteurausbildung der EAB-Lehrlinge in Weifa bei Kamenz, im Mai 1967.
Der
GST-Häuptling Mammitsch (GST: Gesellschaft für Sport und Technik ),
und zwei oder drei Lehrausbilder hatten sich vorgenommen, ungefähr dreißig
Elektriker- und Elektromonteurlehrlinge aus dem ersten und zweiten Lehrjahr
den Marsch zu bla....., sprich, die vormillitärischen Kenntnisse zur
Verteidigung der sozialistischen Heimat – DDR-, sprich, Deutsche
Demokratische Republik, zu vermitteln.
Als die
Hangelausbildung in unserer Kuppe dran war, wurde ein starkes Seil zwischen
zwei Bäume verknotet und die Gruppe mußte sich gegenüber aufstellen.
Es wurde
alles so einfach und so detailliert erklärt, als wären wir kleine Kinder und
gerade aus dem Ei geschlüpft.
Jeder kam mit dem Hangeln einmal dran und die Anderen
standen und standen und standen. Das war vielleicht langweilig. Und wir
standen und standen..und Mammitsch machte Vorschulunterricht.
Plötzlich
machte sich in der Formation ein fürchterlicher, nach Schwefelwasserstoff
riechender Gestank breit. Einer hatte einen mächtigen, leisen aber
voluminösen, fürchterlich stinkenden Furz abgelassen. Alles stürzte davon,
jeder verdächtigte lachend Jeden, der Ausbilder brüllte mächtig und ließ die
Mannschaft, zehn Schritte gegen die Windrichtung erneut antreten.
Es gab aber
in der Waldlichtung kaum Wind, so daß auch der neue Standort eine üble
Zumutung war.
Und dann kam
die nächste Welle“ Gelbkreuz“.
„Zehn
Schritte zurück, aber schnell!“..., weil ja das Hangelseil den
Standortwechsel nicht mitmachen konnte.
Mammitsch
war der Verzweiflung nahe als dann die Aktion Gelbkreuz noch etliche Male
wiederholt wurde.
Und dann der
Rückmarsch zur Jugendherberge ca., vier Kilometer mit „He Maria Lumpe
....“.Das war zuviel und die Abrechnung wartete nicht mehr allzu lange.
Auf daß der Herr uns strafe !
Nächster Tag.
Militärisches Wecken, Frühstück und Abmarsch zur Vormilitärischen Ausbildung
in den Wald. Wir hatten etwa die Hälfte des Weges geschafft als die Sonne
verschwand, dunkle Wolken aufzogen und es anfing, fürchterlich zu regnen.
Rückmarsch
im Gewitterguß. Empfindliche Kälte. Nasse Klamotten.
Genau so war
das aber im Wetterbericht angekündigt worden. Großes Geschimpfe und Gefluche
hinter vorgehaltener Hand auf die „Organisatoren“, und trotzdem kamen wir
klitschnaß an . Sachentrocknen. Ich zog mir eine mächtige Erkältung zu. Das
spürte ich aber erst später.
Es war
Sonnabend Nachmittag. Die einheimischen Lehrlinge wußten, daß in Steina an
zwei Stellen im Dorf, Tanzveranstaltungen liefen.
Nach langem
Hin und Her gab die „Heeresführung“ endlich Ausgang frei, bis dreiundzwanzig
Uhr. Ulli hatte sich eine Flasche Stonsdorfer Kräuterlikör , „Stoni“
genannt, , besorgt. Die machte natürlich erst mal die Runde, bevor es in
den Tanzsaal ging.
Und dann die
schreckliche Erkenntnis;.... eine Rentnerband...... Schifferklavier, Baß und
Trommel und wir waren verwöhnt von „Theo Schumann“, „Uwe Schikora“, den „Syncopaters.“und
Titeln wie „Tutti Frutti“, „Lucia“, „Radebeul West“..........das Publikum
natürlich von fünfzig bis Scheintod. Das war ein herber Schlag, den man so
schnell nicht verkraften wollte.
Ein paar
Frauen waren ja da. Wenigstens eine davon „hübsch“ zu trinken, ging nicht,
soviel habe ich damals noch nicht vertragen und bis elf Uhr hätte das auch
keiner geschafft. Wir bekamen sehr schleppend unsere Getränke. Es wurde
natürlich Bier getrunken und zwischendurch klammheimlich ein Schluck aus der
Stoni-Pulle von Ulli.
Ich kann
mich erinnern, daß ich einige Male das Bier selbst vom Tresen holen mußte.
Irgendwie kam es mir vor, als würden wir von der Bedienung ignoriert. Kein
Wunder, wir waren ja Fremde, die im Ausland immer mit Vorsicht zu genießen
sind.
Es ist
bestimmt leicht zu begreifen, daß sich eine allgemeine Unzufriedenheit breit
machte, die wiederum nur mit Alkohol bekämpft werden konnte.
Mit
der Zeit wurden wir ganz schön tutti. „Fünf Mark, wer die Alte zum Tanzen
holt“!! !
Die
sogenannte Alte hatte etwa achzig Jahre auf ihrem leicht gekrümmten Rücken
und hatte vielleicht schon dreißig Jahre nicht mehr getanzt. Denkste!! Ich
ging hin und forderte sie ganz galant zum Tanz auf . Genauso, wie ich das in
der Tanzschule Batzak gelernt hatte. Sie war klein, dünn und
deshalb federleicht. Wir tanzten ganz gut miteinander und plauderten
vergnüglich. Vor, vor, seit ran, drehen, drehen, seit ran, ein Tango, der
mir sehr gut gelang. LA Paloma.
Die Kumpels
bogen sich vor Lachen und amüsierten sich lautstark. „Kein Zahn im Maul,
aber La Paloma pfeifen“...........später in der Herberge erzählten sie dann,
ich hätte mit einer Hexe getanzt.
Plötzlich
war die Zeit ran und wir mussten uns beeilen, pünktlich elf Uhr die
Unterkunft zu erreichen. Geschafft,... die Gruppe, die den anderen Tanz
besuchten kam zu spät, waren aber dafür stockbesoffen.
Das zu Bett gehen ging sehr schleppend und trotz mehrerer Ermahnungen wollte
keine Ruhe reinkommen. Nachdem der letzte aus dem Fenster gekotzt hatte war
dann Ruhe. Aber nur für ganz kurze Zeit.
Zwölf Uhr
fünfzehn, plötzlich schrille Pfiffe – Gefechtsalarm - . Eine Gruppe schlief
im Haupthaus und die andere im Turm, und alle sollten jetzt schnell,
schnell, schnell, unten vor dem Turm antreten .
Das ganze
musste man sich jetzt so vorstellen: Eine Wagenladung mit Schweinen ist
umgekippt und mussten aber nun auch wieder eingefangen werden. Die
Aufstellung nach Lehrjahren und Gruppen wollte einfach nicht klappen .
Mein Cousin
Lutz, der schon alle erdenkliche Mühe hatte, ins Bett zu kommen und schon
fest eingeschlafen war, hat, nachdem er den Alarm endlich begriffen hatte,
und es geschafft hatte, aus dem Bett zu kriechen, zum zweiten mal aus dem
Fenster gewürfelt und dann lange nach seinen Sachen suchen müssen. Trotz
Kumpelhilfe ist er zu spät unten angekommen. Sein Würfelhusten wurde dann
auch später bei der Auswertung besonders „gewürdigt“. Lehmann, aus dem
Turm, kroch mit einer Decke um den Körper gewickelt auf den Appellplatz. Er
wußte gar nicht, wo er sich befand, und daß es auch Klamotten zum Anziehen
gibt. Einer aus dem Turm war gar nicht erst wach zu kriegen. Alle anderen
standen in der Kälte und mußten warten, warten und nochmals warten. Und das
alles bei sechs Grad Celsius. Von dem Marsch, der danach folgte, habe ich
fast nichts mitbekommen. Die Erkältung aber war perfekt. Ich habe wie ein
junger Hund gebellt. Oh ja, jeder Hustenton hat furchtbar geschmerzt; es
war kaum zum Aushalten.
Eben da habe
ich zum erstem Mal in meinem Leben festgestellt, was heißes Bier für eine
ungeheure Heilkraft haben kann, denn schon nach zwei Tagen war alles vorbei.
Das war die MARIA-LUMPE-RACHE, die dann auch in den Beurteilungen von
einigen Beteiligten fixierte wurde. Nicht wegen dem Lied, nein, ..das wurde
nie erwähnt.
Ulli traf ich
unlängst in der Radeberger Bierstube in Bautzen wieder. Wir schwelgten in
Erinnerungen und ich nahm mir vor, dieses Erlebnis zu Papier zu bringen.
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Ob so was die
Leute lesen wollen? –
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