|
|
An der Aktualisierung |
Hier noch mal die Kurzfassung von meiner im Frühjahr 2008 erlebten Amselstory:
Ich habe erlebt, wie es eine alleinerziehende Amsel mit der Hilfe von Menschen geschafft hat, vier Junge bis zur Selbständigkeit groß zu ziehen. Das waren sechs lehrreiche, interessante aber auch anstrengende Wochen für mich und ich bin jetzt auch ganz froh darüber, dass auf meinem Balkon, den ich ab jetzt wieder Loggia nenne, wieder Ordnung einzieht. Nachdem die Loggia gesäubert und aufgeräumt war, die Kotreste von Elvis, beseitigt wurden, trat erst mal Ruhe und Ordnung, nicht nur in der Loggia sondern auch in meinem Leben, ein. Amseln betreuen ist eine Vollzeitbeschäftigung. Durch Händeklatschen oder Plastikklapper die immer dreister werdenden Elstern zu verscheuchen , die Zwischenfütterungen mit der Pinzette, wenn Erna auf Futtersuche war, die Dokumentierung mit der Digitalkamera und vor Allem die Sorgen, die ich mir gemacht habe, wenn ich am Tage zwei Stunden außer Haus war, haben doch etwas an der Substanz gezehrt. Doch ein paar Wochen später habe ich mir eben diesen erlebten Zustand für den nächsten Frühling zurückgewünscht. Das heißt, ich bin wieder bereit für eine erneute Amselrunde. Doch soll diese Runde anders verlaufen, soll besser vorbereitet werden und vor allem dürfen die gemachten Fehler nicht mehr auftreten. Man hat ja dazugelernt. Deshalb habe ich mir einiges vorgenommen, damit wieder ein Amselpaar auf meiner Loggia brütet.: ![]()
Damit habe ich in der Vorweihnachtszeit bereits angefangen. Die Vase mit den Tannenzweigen steht jetzt nicht mehr mitten auf dem Balkon sondern an der Nordwand. Dadurch kann das Nest noch besser getarnt werden und den Elstern damit die Möglichkeit genommen werden, selbst von den hohen Bäumen aus das Nest zu erspähen. Ob das so geht, wird sich erst im März/April herausstellen.
werden müssen, so stehen nicht nur Mehlwürmer, die in großen Mengen nicht verabreicht werden dürfen, sondern auch Beo-Weichfutter, Regen- würmer mit Erdanteilen, lebende Raupen und Insekten, lebende
Die Vogelwiese Es ist einiges geschehen auf der Wiese vor meinem Balkon, nachdem die Amsel Erna ausgeflogen ist um ihre nächste Brut, vielleicht im dichten Gebüsch hinter dem Häuserblock, groß zu ziehen. Etwa 4 Wochen später sehe ich eine Amselfrau, wie sie mindestens zwei Minuten genau an der Stelle reglos verharrte, wo der tote Alfred lag, nachdem ihn Elstern getötet hatten. Der neue Gemahl dagegen hüpfte quirlig über die Wiese während Sie Andacht hielt. Drei Monate später hat sich dann das Gleiche noch einmal ereignet. Das kann doch kein Zufall sein oder ist hier die Phantasie mit mir durchgegangen? Diese Beobachtungen waren so kurios, dass ich danach den Notizblock in Reichweite liegen hatte. 8 Wochen später, im Juli sind dann auf der frisch gehauenen Wiese ca. 100 Stare zu beobachten. Einen Tag später das gleiche Spiel. Als die Stare sich verflogen hatten kam eine Schar von etwa 40 Sperlingen. Einige davon wurden von ihren Kindern bebettelt, was auch ab und zu zum Erfolg führte. Im September beobachtete ich, wie ca. 90 bis 100 Stare mehrere Tage um die gleiche Zeit die Wiese bevölkerten. Das war vielleicht eine Sammelaktion für den kommenden Zug in den Süden. Im Oktober großes Geschrei über der Wiese. Zwei Eichelhäher und drei Elstern schimpfen fürchterlich und versuchen mit Tiefflugattacken eine kleine Katze, die im hohen Gras liegt, zu vertreiben. Das Gekrächze der Eichelhäher etwa eine Oktave höher als das der Raben hört sich grauenvoll an. So schön, wie die Eichelhäher auch aussehen, so schrecklich klingt ihr Gekeife. Amseln kommen seltener, jedoch hat sich der Alfred-Gedenktag ein drittes mal wiederholt. Ein Amselmann verkriecht sich genau an der Stelle im Gesträuch, wo das letzte Amseljunge, genannt „Elvis" bis zur Flugfähigkeit versteckt wurde. Im November bei 8-12 ° C, die Erde ist noch weich und Amseln, Eichelhäher und Elstern finden noch genügend Würmer in der Erde, und vertreiben sich in unterschiedlicher Reihenfolge auf der Würmerwiese. Ja, da war einiges los vor meinem Balkon und jetzt im Dezember nehme ich mir Zeit für einen Nistkasten. Der Nistkasten
Am Anfang war die Idee, einen Nistkasten zu bauen, wie er im Internet für Amseln angeboten wird. Aber das wäre ja zu einfach gewesen. Da kam mir die Idee, meine Guitalele, die durch zu vieles herumbasteln und feilen nicht mehr bespielbar war, zu einem Nistkasten umzugestalten. Kurz, ich hatte sie kaputtgetunt und für diesen Zweck sollte sie geopfert werden. Mit einer Zeichnung fing dann alles an. Sperrholz und Guitalele wurden angezeichnet und ausgebohrt und zurechtgesägt. Danach wurde der Plan noch etwas umgestellt. Die Seitenteile waren zu groß und die Guitalele musste nach hinten geöffnet werden, da der Amselschwanz beim Brüten über dem Nestrand ragt. Auch für die Videokamera sollte ja genügend Sicht entstehen. Die ganze Bastelei erfolgte in kleine Abschnitten und hat etliche Tage gedauert. Mitte Dezember 08 habe ich dann den Balkon nach meinen Vorstellungen mit viel Tannengrün und Schilfstangen dekoriert, so dass der Nistkasten bestens getarnt ist.
Tarnung klappt, Beleuchtung klappt und die Kamera kann das Geschehen auch recht gut erfassen. Mit der Hoffnung, das Mitte März 09 ein Amselmann kommt, den Platz begutachtet, für geeignet einstuft und seine Amseldame damit überzeugen kann, bin ich tüchtig gespannt auf den nächsten Frühling. Am 28.12.08, der Balkon ist noch mit Festtagsillumination ausgestattet zeichnet sich schon ein kleiner Erfolg ab. 09.00 Uhr sehe ich, wie eine Amsel es sich auf dem Balkon zu schaffen macht. Vielleicht werden die Informationen über den kleinen Balkonbusch bis in den März hinein im Amselhirn gespeichert! Mitte Januar, wieder ein vager Versuch eines Amsrichs vom Kastanienbaum auf die Balkonbrüstung, die Option, künftiger Nestbau, zu speichern. Langsam naht der Frühling Gestern noch konnte man denken, der Frühling kommt und ca. 25 Krähen mit ihren halbwüchsigen Kindern tummeln sich auf der Wiese und schleppen Nuß große Stücke davon. Heute am 11.02.2009, ab 06.00 Uhr überrascht mich eine geschlossene Schneedecke mit Temperaturen um die null Grad. Ein Amselmann sucht auf meinem Balkon, wird fündig und sucht die nächsten Futterplätze ab.
Jetzt brauch ich nur morgens 06.00 Uhr die Kamera anzuschalten. Mal schauen, ob es klappt. 14.55 Uhr: Ich brauch den morgigen Tag nicht abzuwarten, es geht schon jetzt los. Erna kommt, setzt sich in den Koniferentopf, bedient sich an Haferflocken und Rosinen. Es schneit und bläst, der richtige Ort um Schutz zu finden. Sie bläst sich auf, sieht aus wie ein zu klein geratener Staubwedel, pickt ab und zu, schmeißt dabei Erde auf den Balkon und schaut sich nach allen Seiten um. Das kleine schwarze Loch in der Küchenscheibe scheint sie dabei ganz besonders zu interessieren. Dadurch ist sie dann im Film die meiste Zeit von vorn zu sehen. Egal, ob draußen Leute vorbei gehen oder Autos vorbei fahren. Erna hüpft auch in die anderen Blumenkästen, in denen die Tannenzweige schon langsam braun werden. Zuletzt fliegt ein kleiner schwarzer Schatten, der Amselmann, am Balkon vorbei, und Erna ihm kurze Zeit später, hinterher. Das Ganze dauert etwa 30 Minuten und die kleine Videokamera hat alles aufgezeichnet. Glück gehabt! Morgen stelle ich eine große Konifere neben die Nistmöglichkeiten. Mal sehen, wie das ankommt. 25.März: Erna kommt vormittags dreimal zum Kurzbesuch und pickt nur eine einzige Rosine. Hoffentlich hat sie sich gestern nicht überfressen. Am Nachmittag steht eine Blaue Zypresse neben der Tannenvase. Ob das gut geht?
Durch die Zypresse ist jetzt noch eine dritte Nistmöglichkeit dazu gekommen, nämlich in der Zypresse. Ich bin gespannt, wie sie sich entscheiden wird. Ich habe gelesen, dass Amseln ein körpereigenes Enzym besitzen, das gärungsintensive Stoffe, wie Beeren, frisch oder getrocknet, 12 mal schneller umsetzt, als es beim Menschen der Fall ist. Amseln essen im Winter zum größten Teil angegorene getrocknete Beeren und müssten bei den Mengen auf das geringe Körpergewicht gerechnet, sturzbesoffen herumtorkeln. Aber nein, das Enzym verhindert das ja. Wenn das der Mensch besäße, könnte er 2 Kästen Bier trinken und wäre immer noch nicht betrunken.
27.März: Nachdem sich am gestrichen Tag kein Vogel hat sehen lassen, kommt Erna 10.20 Uhr zu einem Kurzbesuch. Erna nascht und Paul hält sich in der Nähe auf. Nach etwa zwei Minuten fliegt Paul am Balkon vorbei und Erna hinterher. Durch meine Videoaufzeichnung kann ich das gut zurückverfolgen. 28.März: Zweimal Kurzbesuch von Erna, sonst war nichts los. 29.März: Bis 13.00 Uhr kein Besuch. Nach Auswertung der Kurzfilme habe ich auch festgestellt, dass mich auf dem Balkon zwei verschiedene Amseldamen besuchen, eine Schwarze und eine Braune. Die Schwarze ist Erna, sie ist größer und schlanker als die Braune, und jedes Mal wird ihr Gemahl, Paul, in ihrer Nähe gesichtet. Die Braune, die über 30 Minuten den Schneesturm auf dem Balkon überstanden hat, deren Gefieder in der Sonne kupfern glänzt, könnte eine Tochter von Erna sein, die es bei ihrer ersten Nistung vielleicht auf meinen Balkon abgesehen hat. Die Braune nenne ich ab jetzt Frieda und Frieda hat noch keinen Mann! Frieda kommt 13.00 Uhr und holt sich 6 Rosinen und Haferflocken. Heute Nachmittag , die Amseln singen, die Sonne wärmt, jetzt kommt der Frühling. Frieda sitzt auf dem Dach des Nistkastens und auf der Wiese „rupfen" sich zwei Amselmänner das die Federn fliegen. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Das war Hahnenkampf, nur zehnmal schneller. Zwei schwarze Staubwedel kollern gemeinsam über die Wiese und fliegen kämpfender Weise als gemeinsames Knäuel bis zu 2 Meter hoch. Und Frieda sitzt die Entscheidung auf der Guitalele aus. Dann sind Frieda und die Streithähne plötzlich weg und ich weiß nun nicht, wie das Ganze ausgegangen ist. 31. März: Heute passiert was! Die Nacht war noch ziemlich kalt, aber das waren ja die letzten Nächte auch. Der Tag soll warm werden, keine Wolke am Himmel und die Sonne scheint. Ein Wetter zum kleine Amseln machen. Ich überlege; kommt Frieda oder Erna in meine Niststation? Oder keine? Es sind schon Amseln mit Nistmaterial im Schnabel beobachtet worden. Erna oder Frieda, das ist hier die große Frage. Erna kommt nur, wenn sie im letzten Nest nicht erfolgreich war, so dass sie sich an die Zeit auf meinem Balkon im letzten Jahr erinnert. Und bei Frieda habe ich nur eine Chance wenn ihr Partner, der Sieger des Duells, ebenfalls mit meinem Balkon einverstanden ist. Vielleicht hat er ja eine bessere Stelle ausfindig gemacht. 01.April: Und nichts passierte! Meine Chancen stehen nicht allzu gut. Im letzten Jahr war an diesem Tag schon das Nest gebaut, aber da war ja auch das Wetter viel besser. Die Hoffnung schwindet von Tag zu Tag. 04.April:
Die Hoffnung schon fast aufgegeben, hänge die getrocknete Wäsche ab, säubere die Gartenstühle und lege Sitzkissen drauf, damit meine Nachmittagsgäste auf dem Balkon rauchen können. Und 08.45 Uhr passiert es! Frieda kommt, es ist Frieda, die Braune. Frieda beginnt ein Nest zu bauen. Nicht im Nistkasten, nicht in der Tannenvase und auch nicht in der Konifere – nein, auf den kleinen roten Plastikdachziegeln, mit denen ich das Nistkastendach beklebt habe. Amseln gehören zu den Freibrütern, das hätte ich beim Umbau der Guitalele beachten müssen. Und trotzdem darf ich das alles noch einmal erleben! Ich beobachte, wie sie dreimal, innerhalb von 5 Minuten mit Nistmaterial von hinten durch das „Gebüsch" klettert und auf dem Nistkastendach die Ästchen, Halme und Moose, ringförmig, ablegt. Dabei steckt sie mit dem Schnabel die Äste und Halme als Kranz zusammen und drückt danach mit Füßen und Körper das Moos in Form. Der Abflug erfolgt dann geradezu , ohne Hindernisse. Zwei Stunden später kommt sie noch mal kurz und das war’s dann für den 04. April. 05. April: Frieda kommt 06.45 Uhr zweimal. Warum so zögerlich? Aber so ging es im letzten Jahr auch los. Auf der hinteren Wiese futtern sich schon seit Tagen zwei Starenpaare den Ranzen voll. Der Amselmann, den ich ab jetzt Fritz , nenne, hat sich schon mal im Elsternvertreiben geübt, was ihm im ersten Anlauf schon gut gelungen ist. Es wird noch viel schwerer werden, wenn Elstern ihre Jungen füttern! Ab 08.20 Uhr, Großbautag
Frieda wird jetzt etwa 10 Stunden lang, mit fünf längren Pausen, im 3-Minuten-Rhythmus, ein Bauwerk errichten, wo ich aus dem Staunen nicht mehr herauskomme. Sie schleppt Halme, kleine Äste, trockene Rankenhalme bis 50 cm Länge, Blätter, Moose, Flechten, Gräser, feuchte Erde heran, verteilt alles mit dem Schnabel und drückt die Füllungen mit Schnabel, Füßen und Körper in die Korbzwischenräume. Dabei ist sie in allen Körperlagen zu beobachten. Ich sehe alles im Großformat denn die Kamera, 50 cm vom Nest entfernt, ist gut ausgerichtet. Geräusche in der Wohnung stören sie nicht. Egal, ob ich Musik mache oder das Bad benutze. Frieda holt sich das Nistmaterial aus nächster Nähe und fliegt dazu meist auf die vordere Wiese, manchmal keine 10 Meter weit. Wenn Fritz am Balkon vorbeifliegt schaut sie kurz hoch und baut weiter. Fritz ist in der Nähe und warnt Frieda sogar, wenn der Nachbar mit Hund, Gassi geht. Aber sonst macht Fritz nix. 0 Sekunden für Nestbau. Nach dem ersten Großbautag könnte man denken, das Nest ist jetzt fertig. Aber drin ist es noch ziemlich feucht und der Nestboden nicht richtig ausgepolstert. 06. April: Der dritte Bautag beginnt wieder 06.45 Uhr. Frieda fliegt wieder im gewohnten Intervallen das Nest an und baut und baut, aber jetzt immer im direkten Anflug von vorn. Baut bis 13.00 Uhr, macht ne Pause und setzt sich 13.30 Uhr auf das Nest, als würde sie ein Ei legen wollen. Denkste!, das war nur ein Liegetest. Danach wird sie wieder mit größeren Zweigen gesichtet.
07. April: 06.40 Uhr , Fritz und Frieda beginnen den Tag und immer noch wird gebaut. Frieda ist mit der Polsterung unzufrieden. Sie verbaut jetzt öfters lange Halme aber auch Füllmaterial. Ich mach die Gardine ein Stück zur Seite und sehe ihr auf der Wiese beim suchen zu. Dabei zerwühlt sie schon mal die Grasnarbe, dass die Klumpen fliegen. Am Laptop kann ich somit sofort festhalten, was sich draußen und auch drinnen, über Frieda-TV, ereignet.Brauch mich nur zu drehen und habe Original und Aufzeichnung erfasst. Um später den Brutvorgang und die Fütterung besser verfolgen zu können, ist ein höherer Kamerastandort in Vorbereitung, Frieda baut jetzt schon den vierten Tag und immer noch wird nachgebessert. Das Nest ist innen 11 cm breit und 9 cm tief, wie mein Kaffeepot und außen etwa 20 cm groß. Ein ganz gewaltiger Batzen!
08. April: Pünktlich 06.40 Uhr werden beim Innenausbau, Nachbesserungen getätigt, aber nur eine Stunde lang, dann ist Baustop. Das erste Ei ist immer noch nicht in Sicht. Durch den neuen Kamerastandort oberhalb des Nestes, kann ich jetzt in das Nest schauen und sehe jedes Hälmchen und Blättchen und wie es verbaut wird. 09. April: 1. Ei Elstern machen Kontrollflug, als haben sie was „gerochen".
Frieda kommt 06.47 Uhr, gibt ihrem Nest mit sechs kurzen Einsätzen den letzten Schliff und kommt gegen 10.00 Uhr wieder, drückt, sperrt den Schnabel auf, schaut unter sich, schaut in sich, schläft, wacht 11.30 Uhr auf, und richtet das erste Ei mit dem Schnabel zurecht und fliegt 11.50 Uhr davon. Erfahrungsgemäß wird sie dann erst am nächsten Tag das 2. Ei legen. Ich berichte! Erna kam im letzten Jahr gegen 10.30 Uhr das 2. Ei legen. Mal schauen, was passiert. 10. April, Karfreitag: 2.Ei
Aber Frieda kommt schon 09.45 Uhr, wendet das erste Ei, wählt die Richtige Legehaltung und sitzt. Frieda kommt im Nest immer höher und höher, sperrt wieder den Schnabel auf und ordnet unter sich. 11.30 schaut Fritz vorbei, hält aber 30 cm Abstand zur Legehenne, fliegt auf den Koniferentopf und schmeißt jede Menge Erde herunter. Erna hat jetzt zwei Eier zu wenden und fliegt Fritz 5 Minuten später hinterher. Na, da soll einer schlau werden. Frieda kommt 13.00 Uhr noch mal aufs Nest, bleibt dort 20 Minuten unruhig sitzen und fliegt laut schimpfend davon, ohne ein Ei zu legen. Ich nutze die Auszeit um Wäsche aufzuhängen. 11. April: 3. Ei
Frieda und Fritz werden schon morgens 07.15 Uhr auf der Wiese gesehen. Frieda kommt schon 09.20 Uhr und hat bis 11.00 Uhr ihr drittes Ei gelegt. Dann wird morgen das Vierte gelegt und das Brüten beginnt. Mal sehen! 12. April: 4.Ei
Oh Fritz, wie fliegst du herum? Fritz kommt 08.00 Uhr an das Nest, lässt eine kurze Melodie los und fliegt auf den Kastanienbaum. Von den einst so schönen Schwanzfedern fehlt die Hälfte. Er hat sozusagen beim Kampf um Frieda tüchtig Federn gelassen oder war das schon eine „Elsterbekanntschaft"? Es war nicht Fritz, es war sein zerzauster Rivale, der da nur mal gucken kam. Frieda kommt schon eine Stunde eher als gestern, richtet das Nest und zeigt dabei einen rosenroten Po. Wund vom Eierlegen? Nach dem vierten Ei ist Frieda müde. Sie steckt den Kopf in die Federn und macht ein Nickerchen und Fritz sitzt auf der Wiese und wacht. 12.00 Uhr erkenne ich 4 Eier im Nest. Erna hat nach dem 4. Ei mit dem Ausbrüten begonnen, aber Frieda nicht. 13. April, Ostermontag: 5. Ei
Heute geht die Eierlegerei schon 07.00 Uhr los. Frieda sitzt unruhig im Nest. Zwei Elstern machen Kontrollflüge. Wutentbrannt fliegt Frieda zu Fritz auf die Wiese und jagt ihn auf eine andere Wiese, damit er dort den Hauptfeind Nr. 1, auf eine andere Spur, lenken soll. Noch liegen 4 Eier im Nest und meine RICOH auf 400 ISO eingestellt, macht klasse Nahaufnahmen. Die Sitzung geht weiter und Fritz kommt das erste mal zu Frieda ans Nest und stupst ihr ganz zärtlich an den Schnabel.
Frieda fliegt alle paar Stunden vom Nest. Und ich darf jetzt schon fünf Eier bewundern. Die Sonne wärmt immer intensiver, Frieda sperrt den Schnabel auf und atmet schneller und tankt Energie. Sie brütet und brütet jetzt Tag und Nacht.
14. April, 2. Bruttag Was soll denn das? Fritz fliegt 07.30 Uhr das Nest an, hat einen langen fetten Wurm im Schnabel und versucht ihn mehrmals, Frieda in den Schnabel zu schieben. Weil sie nicht so richtig mitmacht, frisst er ihn selbst. Dann will sie den Wurm. Zu spät!
Die Viererbande, die vier Stare machen sich auf Friedas Wiese breit. Fritz will einen vertreiben aber das gelingt ihm nicht weil sie zusammenhalten. Fritz kommt ab und zu ans Nest wenn Frieda eine Pinkelpause einlegt. Er ist sogar bereit, die Eier zu wenden. Welch eine Leistung! Wenn ihm ihr Wegbleiben zu lange dauert, ruft er sie mit der Stimme junger Amseln, die nach der Mama rufen. Fritz kommt jetzt schon 5-6 mal täglich an das Nest. 18.00 Uhr kommen die Elstern und Frieda ist bemüht das Raubgesindel vom Nest abzulenken. Und Fritz sitzt bewegungslos am Nestrand und wartet und wartet. Nach 20 Minuten erfolgt dann mit lautem Gezwitscher die Ablösung. Mein Gitarrenständer hat jetzt auch die Funktion einer Elsternklatsche. 15. April, 3. Bruttag Fritz hält auch manchmal im Nistkasten, also eine Etage tiefer, Wache. Ein drolliger Anblick, wenn dann kurzzeitig beide in der Guitalele zu sehen sind. Frieda auf dem Dach im Nest und Fritz, eine Etage tiefer. Sozusagen 100-prozentige Auslastung. Vielleicht gelingt es mir auch dieses Bild festzuhalten.
Es kommt auch vor, dass Fritz ganz spontan, mit einem Regenwurm im Schnabel, zur Stippvisite kommt. Ist Frieda gerade nicht anwesend, frisst er ihn selber und flattert wieder ab. Der plötzliche Temperaturanstieg im April , hat die Natur schneller wachsen lassen als erwartet. Die Vegetation hat jetzt schon einen Vorsprung von einer Woche. Der Kastanienbaum hat schon das volle Blattwerk und die Wiese müsste bald gehauen werden. Wenn das passiert, hat Frieda dann ein leichteres Futtersuchen als im hohen Gras. Morgen werde ich die vergilbten Tannenzweige durch Birkenäste austauschen, damit der Balkon den frischen Frühling ausstrahlt. Fritz kommt jetzt alle paar Stunden mit Würmern vorbei die er Frieda ganz sanft in den Schnabel schiebt. Wenn er sich so liebevoll dann auch um seine Küken kümmert, ist die Versorgung gelaufen. Der einzige Unsicherheitsfaktor dabei sind die Elstern. Mal abwarten. Eigentlich will ich der Natur ihren Lauf lassen aber wenn ich mit ansehen muss, mit welch mörderischer Dreistigkeit, Elstern den Singvögeln an die Federn gehen, hol ich meine Klatsche raus und Verteidige meine Balkonbewohner. Das Wachstum der Jungvögel möchte ich unbedingt dokumentieren. 20. April, 8. Bruttag
Entscheidendes hat sich ist in der Zwischenzeit nicht ereignet. Frieda brütet und brütet, fliegt einmal in der Stunde für ca. 5 Minuten in ihre wohlverdiente Dehn- und Streckpause und sitzt danach wieder ganz artig auf dem Nest, dreht die Eierchen und lauscht interessiert auf Zeichen der Umwelt und von Fritz. Im Eierwenden hat sie ordentlich was drauf. Sie schiebt die ersten zwei Eier kurz an und die restlichen drehen sich automatisch mit. Jede Stunde kann ich eine andere Ausrichtung des Geleges beobachten. Als ich die braunen Tannenzweige auswechselte und einen großen Birkenast zur zusätzlichen Tarnung vor das Nest setzte, wurde ich erst mal kräftig ausgeschimpft. Aber nach kurzer Zeit hat man sich an die neue Situation gewöhnt und erfreut sich jetzt an der zusätzlichen Geborgenheit. Auch die Aufstellung einer Dattelpalme auf der Balkonbrüstung wird nicht als störend empfunden, wie auch der Einsatz einer Kettensäge einer Dienstleistungsfirma. Fritz kommt noch mehrmals mit Würmern und füttert Frieda damit liebevoll. Elstern machen Kontrollflüge und so vergeht ein Tag wie der andere. 22. April, 10. Bruttag Frieda ist ein schlaues Mädchen. Wenn die Sonne brütet, dann lässt sie diese auch brüten. Sitzt am Nestrand und lässt die Sonne ihr Werk tun. Warum Frida heute so oft das Nest verlässt konnte ich noch nicht deuten. Vielleicht will sie sich ja nur die Füße vertreten und die Flügel verflattern. 23. April, 11. Bruttag Noch ist kein Amselküken geschlüpft, dennoch erkenne ich dass während des häufigen Eierwendens eine Kommunikation mit den Innenleben der Amseleier und Frieda besteht. Frieda redet sozusagen mit ihren Kindern durch die Eierschalen. Was haben sie sich zu erzählen? Vielleicht wann sie schlüpfen wollen oder sollen? Der heutige Tag ist wettermäßig mit 10 Grad dazu nicht gerade geeignet. Aber morgen sieht da die Welt, mit über 20 Grad, ganz anders aus.
Der heutige 11. Bruttag ist ein Gedenktag an Alfred. Alfred wurde an diesem Tag vor einem Jahr von zwei Elstern tot gebissen. Ein Grund für mich heute doppelt wachsam zu sein. 24. April, 12. Bruttag Der Tag beginnt mit nur 5 Grad und die Stadt räkelt sich noch unter einer dichten Dunstglocke. Mit einem eindringlichen Flötensignal, „ dideldideldideldidelit, tschiet, tschiet, tschiet", verlässt Frieda das Nest, feuchtet sich ihre Federn an, zieht sich einen Wurm an Land und brütet weiter. Ist sie mal zu lange Zeit vom Nest, dann schickt Fritz sie mit eindringlichen Gebärden, zurück. Fliegt dann bis ans Nest mit und gibt ihr zu verstehen, wer hier das große Zwitschern hat. Noch liegen fünf Amseleier im Nest. Diese werden jetzt schon alle zwanzig Minuten gewendet. Dabei gibt sie mit dem Schnabel, Schwingungen auf das Ei und prüft somit die Konsistenz des Innenlebens. Frieda weiß jetzt schon, wer wann schlüpft, nur ich nicht. Wie eine stolze Glucke schaut sie mir in die Kamera. 25. April: Die ersten Amseln schlüpfen
Der Tag beginnt mit einer guten und einer schlechten Nachricht.
Die Gute: Das erste Küken ist geschlüpft. Morgens, 06.30 Uhr fliegt Frieda eine zerbrochene Eierschale aus dem Nest. Ich schaue nach und sehe das erste Küken wie es hilflos inmitten der restlichen Eier liegt. Ein zweites Ei wird gerade von innen durchgestoßen. Zwanzig Minuten später ist auch dieses an der frischen Luft. Jetzt kann schon Bewegung im Nest erkannt werden. Die Kleinen krabbeln über die restlichen Eier und strecken schon die Hälse. Frieda fliegt ganz kleine Portionen ein. Fritz kommt, bringt Frieda einen kleinen Wurm. Dafür zeigt sie ihm für kurze Zeit seine ersten Kinder und verdrängt ihn vom Nestrand. –Muttersache-. Die schlechte Nachricht: 20 Meter von unserem Amselnest baut sich ein Elsternpaar ihre Brutstätte auf. Mit Klatschen kann ich das nicht mehr verhindern, da lassen sie höchstens mal einen Zweig fallen. Ich kann nur hoffen, dass dabei der gleiche Effekt, wie beim Starkasten im Kirschbaum, entsteht. Die Stare verteidigen ihre Kirschen und fliegen lieber auf andere Kirschbäume naschen. Der eigene Baum ist stille Reserve und wird dann meist verschont. Zwei Stunden später kommt dann der dritte Nachzögling. Die Schale wird ausgeflogen und weiter geht es mit brüten, füttern, brüten ….
Fritz hält auf der Kastanie wache und versucht ab und zu die Elstern vom Geschehen abzulenken. Hoffentlich gelingt ihm das bis zuletzt. Beide Amseleltern füttern jetzt abwechselnd. Wenn Frieda auf dem Nest sitzt und Fritz kommt mit Futter im Schnabel, wird damit Frieda bestopft und Frieda verteilt es dann an die Bambinos. Ein Käfer will nicht so recht in die Schnäbel passen. Nach mehreren Versuchen gelingt auch das. Die weißen Kotbällchen, groß wie die Watte der Ohrstäbchen, werden von beiden geschluckt. Die ganz kleinen Häppchen sind Ameisen, die Fritz ganz geschickt in der Sonne aufpickt. Fritz gibt auch Zeichen, wenn die Luft „rein" ist und Frieda fliegt stressfrei auf Futtersuche. Manchmal! Anfangs hatte ich den Eindruck, Frieda und Fritz stecken das gesamte Futter nur in einen Schnabel, aber je öfters gefüttert wird, so werden auch die anderen Küken mobil und drängen sich in den Vordergrund. Wer den Hals am weitesten streckt, wird zuerst bedient.
16.40 Uhr zerbrich die Schale vom 4. Ei und klein Amsel Nr. Vier ist auf der Welt. Mit großem Gezeter fliegt Fritz das Nest an und fliegt die Eierhülle weit weg. Ein aufregender Tag, ich komme kaum nach mit dem Fotografieren. Fritz übernimmt wieder die Erstbefutterung mit Ameisen, schiebt aber auch kleine Würmer in die Schnäbel. Dann kommen beide gleichzeitig ans Nest und der Festschmaus nimmt kein Ende.
26. April, Drama am 2. Lebenstag
Seitdem die Amseln auf dem Balkon nisten bin ich Frühaufsteher. Heute hätte es zwei Minuten früher sein können. Durch Aufreißen der Balkontür konnte ich gerade noch verhindern, dass eine Elster alle fünf Amselküken tot beißt. Am Monitor musste ich dann mit ansehen, wie Fritz zwei tote Küken ausfliegt. Frieda hatte vorher noch versucht durch ihre Körperwärme die Kleinen wiederzubeleben. Doch vergeblich. Die zwei größten, die den Hals am weitesten aus dem Nest steckten, wurden getötet. Zwei betteln und das letzte Küken ist eben erst geschlüpft. Drei leben also noch. Das Foto bringt es ans Tageslicht. Als wäre nichts geschehen, geht das Füttern weiter. Fritz kommt mit einem zu langen Wurm, den er vergeblich versucht, in die kleinen Trichter zu stopfen. Zieht ihn mindestens fünfmal wieder heraus und schluckt ihn dann selbst. Frieda hat da mit einem Käfer mehr Glück. Nach zwei Stunden haben es die Vogeleltern endlich begriffen, dass weniger gefüttert werden kann. Apathisch liegen die Drei im Nest und gönnen sich ein Verdauungspäuschen. Der Kleine, einen Kopf kürzer als seine beiden Geschwister, wird jetzt, ab und zu, beim Halsstrecken beobachtet. Trotzdem wird auch dieser Trichter selten gefüllt. Das mitgebrachte Futter reicht meist nur für die ersten Zwei. Und wenn der nächste Altvogel das Nest anfliegt, stehen die zwei großen schon wieder in der ersten Reihe. Wenn Frieda ausfliegt, versuche ich ein Foto zu schießen, wo alle drei den Schnabel aufreißen. Das ist mir bisher leider noch nicht gelungen. Mit einem aufklappbaren Gitarrenständer versuche ich fast vergebens, Elstern schon aus der Ferne zu vertreiben. Sie verziehen sich schon wenn ich aus der Haustür trete. Aber ich kann ja nicht ständig auf der Straße stehen. Die Nachbarn lächeln verständnisvoll. Die Hoffnung schwindet und ich muss damit rechnen, dass morgen schon alles zu Ende ist. Dennoch gelingt mir gegen 18.00 Uhr ein spaßiger Schnappschuss, der dokumentiert, dass auch der Nachzögling gut versorgt wird. Morgen am 27. April, werde ich noch zeitiger aufstehen und versuchen, Elsternattacken auf die drei Übriggebliebenen, abzuwehren. Das klingt zwar sarkastisch, wenn mir zu diesem Bild, „Ringel, Ringel Reihe, wir sind der Kinder Dreie", einfällt, nachdem vor einigen Stunden Zwei todgebissen wurden.
27. April, 3. Geburtstag Früh am Morgen, 05.30 Uhr, sind alle noch wohlauf. Frieda und Fritz füttern im Wechsel und halten das Nest sauber. Die kleinen weißen Knallerbsen werden immer noch geschluckt. Fleißige Amseleltern! Von ca. 12.00 bis 13.00 Uhr scheint Mittagsruhe zu sein. Es wird kaum gefüttert und die Küken liegen träge im Nest herum. 28. April, 4. Geburtstag
Das Foto beweist es; morgens 05.30 Uhr schlafen die Kleinen noch, aber 06.00 Uhr ist die Fütterung im vollem Gange. Nur die längsten Hälse werden gestopft und der Kleinste, ab jetzt, nicht Elvis, sondern Franz, genannt, wird nur zufällig betankt. Morgens ist der Amselvater der intensivere Futterbeschaffer. Da fliegt er doppelt so oft als Frieda. Sie kommt dafür mit einem großen Insekt, groß wie eine Hummel, die sie mit Schwung in den größten Trichter wuchtet. Passt, und der große Klumpen verschwindet sichtbar im kleinen Körper. Auch mit Beeren wird gefüttert, also ein abwechslungsreiches Menü. Dann legt sich Frieda aufs Nest und spendet die nötige Verdauungswärme. Zuvor massiert sie mit ihrem Schnabel die kleinen Bäuche durch, damit alles schön durchrutscht. Eine Kohlmeise kommt seit zwei Tagen zu Besuch. Die Amseln stört das nicht. Sie hat sich vielleicht die kleine Bastschachtel, die ehemaligen Kameraabdeckung, als Nistkasten ausgesucht. 29. April, 5. Geburtstag
Früh morgens kann ich schon erkennen, wie aus dem dünnen Ärmchen, kleine Federkielspitzen wachsen, die sich schon in wenigen Tagen als Flügel entwickeln werden.
Die Körpergröße der Küken ist heute schon auf das vierfache gewachsen und die Augenschlitze sind auch größer geworden. Sowie eins gefüttert wurde, dreht es das Hinterteil nach oben, lässt eine weiße Sanddornbeere, die sofort entsorgt wird, ab, und könnte im nächsten Augenblick schon wieder eine weitere Portion vertragen. Das ist überlebenswichtige Hygiene, wie ich sie hier in Vollendung erleben darf. Es will mir in dieser Lebensphase einfach kein Foto gelingen, wo die kleinen Kracher mal die Hälse aus dem Nest strecken. Wenn Fritz und Frieda kommen, reagieren sie sofort und strecken die Hälse über den Nestrand. „Todstellen und Überleben", heißt jetzt die Devise! Man entwickelt sich! Frieda lässt mich beim Fotografieren bis auf einen Meter an sich heran. Fritz lässt das auch zu, aber setzt sich nach dem Blitz schützend auf das Nest. Das hat er zum ersten mal getan.
30. April, 6. Geburtstag Heute geht der Betrieb schon 05.30 Uhr los. Gestern noch ein kleiner Strich am Kopf und heute kann schon ein Auge erkannt werden. Auch die Federn sind gewachsen. Wenn man bedenkt, dass erst 6 Lebenstage vergangen sind, und die Jungvögel nach weiteren 8 Tagen das Nest verlassen, ist man fasziniert. An den Füßen sind schon die kleinen Krallen deutlich zu erkennen. Die Küken wachsen und wachsen und die Futterportionen sowie die Ausscheidungen werden immer größer. Letzteres sieht jetzt schwarz und weiß aus und wird von beiden immer noch geschluckt. Fritz bringt die abwechslungsreichere Kost und Franz hat sich gerade einen 15 Zentimeter langen Regenwurm erbettelt. Wer den Schnabel am höchsten streckt wird zuerst „satt".
1.Mai, 7. Geburtstag Kampftag der Arbeiterklasse. Hoffentlich wissen das die Elstern nicht!Man kann regelrecht zuschauen wie sie wachsen. Wenn Frieda sich aufs Nest setzt, stoßen die Küken schon mächtig ans Gefieder oder schauen an der Seite heraus, wie bei einer Ballonfahrt. Franz lässt sich Zeit mit dem groß werden. Aber wenn ihn mal die Wut packt, dann stellt er sich auf die Fußspitzen und bekommt den Wurm. Im Nest wird jetzt tüchtig gedrängelt. Jeder sucht sich die beste Ruhestellung um dann beim Futtersprung der „Größte" zu sein. Franz gelingt das seltener weil aufstützen erlaubt ist und die zwei Großen beherrschen diese Taktik hervorragend. Morgen werd ich wieder staunen, wie sich so schnell alles entwickelt.
02. Mai, 8. Geburtstag Die Sonne geht jeden Tag etwas früher auf, also beginnt auch der Alltag der Balkonamselfamilie immer zeitiger, auch ohne Weckuhr. Die Piepser dösen noch vor sich hin, aber wenn die "Alten" kommen, fliegen die Köpfe hoch. 05.10 Uhr, mit „Tjük, tjük" fliegt Fritz das Nest an und löst Frieda, die sich eben erst darauf setzte, ab und nimmt beim Abflug eine große Kotkugel mit. Das wird ein Einzelfall bleiben. Im Vergleich zur Ernafamilie im letzten Jahr, sind Friedas Kinder, zum jetzigem Zeitpunkt, um etwa zwei Tage weiterentwickelt. Aber damals hat Erna ihre vier Jungen ohne Amselmann großziehen müssen. Die Schnäbel der Langhälse reichen den Amseleltern beim Füttern bis an den Kopf. Hoffentlich fällt da mal keiner aus dem Nest. Kurios; Fritz bringt einen 20-Zentimeter langen Regenwurm und versucht ihn in den größten „Trichter" zu drücken. Das gelingt ihm auch nach dem dritten Anlauf nicht. Nachdem aber beide Enden des Wurmes in zwei verschiedene Schnäbel versenkt wurden, gelingt auch dieser Fütterungsakt. Abends wird dann bis zum Dunkelwerden weitergefüttert. 04. Mai, 10. Geburtstag 08.05 Uhr großes Gezeter, es sind aber keine Elstern, Krähen oder Dohlen zu sehen. Einige Spatzen fliegen aufgeregt dazwischen. Sollten meine Untermieter sich etwa aus dem Spatzennest hinter der Dachrinne bedient haben? Ich beobachte jetzt genauer was gefüttert wird. Bisher war ein Spatzenküken nicht dabei. Das mit vollem Schnabel so laut geschimpft wird, kann ich jetzt erleben.
Die Kleinen drängeln im Nest und setzen dabei auch ihre kleinen Flügel ein. Wenn sich das größte Küken dreht, so verändern die zwei kleineren ebenfalls die Richtung, so dass die Körper ein Dreieck mit dem Schnabel nach außen, bilden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das mit fünf Jungen funktionieren kann. Die Wacholderbeeren schmecken nicht mehr und werden immer öfters ausgespuckt. Aber Papa Fritz schafft es mit viel Schwung und mehreren Anläufen, dann doch noch. Es wird langsam Zeit, Den Balkon für den großen Absprung vorzubereiten. Letztes Jahr haben sich zwei Jungvögel vor ihrem Ausflug in die nächste Deckung einige Zeit auf dem Balkon aufgehalten. Elvis sogar zwei Tage.
Dieses Jahr lege ich alte Bettlaken auf den Balkonfußboden, die man nachher zusammenrollen und in die Lumpen werfen kann. Küken geben leise Entengeräusche von sich und beide Eltern müssen sich beim Füttern auf „Zehenspitzen" stellen, weil ihre Hälse mittlerweile schon über 10 Zentimeter über den Nestrand ragen. Die Videos, die ich bisher aufgezeichnet habe zeigen Ausschnitte vom Nestbau und mehr als 20 Fütterungen. Jetzt müsste mir nur noch etwas über das Nestverlassen gelingen, dann ist die Dokumentation fast perfekt. Übermorgen werden sie vielleicht das Nest verlassen. Der größte macht schon jetzt Flugversuche im Nest und der Papa lockt vom Baum aus. Ich bin vorbereitet. Letztes Jahr sind mir in dieser Phase recht wenig Fotos gelungen. Das soll nun anders werden. 05. Mai, 11. Geburtstag 05.00 Uhr früh wird schon mit der Fütterung angefangen und noch liegen die drei Eleven zusammengekuschelt im Nest. 06.22 Uhr setzt sich Frieda nach der Fütterung aufs Nest massiert die Jungen mächtig durch und setzt sich erneut darauf. Aber nur ein paar Sekunden, weil die untere Etage was dagegen hat. Sie räkeln sich und putzen sich und Frieda muss Platz machen. Die Wiese vor dem Nest wird frisch gemäht und Frieda und Fritz finden jetzt die Regenwürmer leichter. Das Nest ist so proppend voll, das es den Jungen schwer fällt, nach der Speisung, den Po aus dem Gewühl zu strecken, damit die „Alten" den Kot abnehmen können. Er wird immer noch geschluckt! Wenn geflattert wird, kann ich durch die Flügel sehen. Sie müssen sich also noch etwas entwickeln. Wie lange noch?
17.30 Uhr: habe eben sieben Elstern in die Flucht klatschen müssen und dabei eine schwarze Schwanzfeder gefunden. Alle sind am Leben und Fritz fehlt eine Feder. Beim genauen Betrachte kann ich in der Mitte der Feder erkennen, wo die „Spitzzange" angesetzt wurde. Was wird morgen sein? 06. Mai, 12. Geburtstag
Es regnet. Die frisch gehauene, nasse Wiese vor dem Balkon gibt den Wurm kaum eine Chance. Frieda zieht gerade einen riesigen Wurm aus der Wiese. Sie zieht und zieht und als die Wiese den Wurm freigibt, fällt sie auf den „Rücken". Putzig! Dreifach „gefaltet" passt er dann in einen weit aufgerissenen Schnabel. Nach den Fütterungen bleibt dann der Altvogel noch etwas am Nestrand sitzen, was wie eine „Unterrichtsminute" aussieht, denn die „Schüler" hören ihrem „Lehrer" artig zu. Der Kot wird immer größer, wird aber immer noch geschluckt. Innerhalb einer halben Stunde kommt Frieda dreimal füttern, gibt den Kleinen danach „theoretischen Flugunterricht", massiert sie kräftig durch und fliegt ab. Davon animiert recken und strecken sich die Küken und flattern der Reihe nach. Bis zur nächsten Fütterung wird dann erst mal eine Ruhepause eingelegt. Dann kommt Fritz, setzt sich zuerst in den Blumenkasten und schaut sich scheu um, als hätte er was ausgefressen, fliegt in die Konifere und von dort ans Nest und verfüttert ein Spatzenküken. Dabei schaut er in geduckter Haltung aufgeregt in alle Richtungen. Er hat ein schlechtes Gewissen.
Eben ist Fritz nach dem Füttern ein Malheur passiert. Etwas zu spät hat er den großen Kotklumpen entnommen so dass er außen am Nest aufplatzt. Er hat sofort mit der Grobreinigung angefangen. Den Rest hat dann Frieda nach dem nächsten Füttergang bereinigt. Franz fängt plötzlich an zu flattern. Durch seine Flügel pfeift der meiste Wind. Bin gespannt, wie die Nestflucht erfolgt und wie sie ausgelöst wird! Ich muss jetzt nur noch alles beobachten. Wenn sie noch einen Tag warten können, haben sie für ihren ersten Ausflug dann besseres Wetter. Morgen bewölkt bei 21°C. Es will mir in dieser Lebensphase kein lustiges Nestfoto mehr gelingen. Alles duckt sich ab, wenn der Paparazzi sich dem Nest nähert. Nach den Fütterungen, die im Schnitt viermal in der Stunde erfolgen, erteilt Frieda, Schlafbefehl und wie auf Kommando wird geruht. Da wird schon mal 20 Minuten am Stück, geschlafen, dann kommt der Befehl: "Pause beenden" vom Kastanienbaum, und es darf wieder gestreckt, geputzt und geflattert werden. Vom Kastanienbaum kommt ein Zeichen und alle Drei stehen ruckartig auf und reißen die Hälse in die Luft, und niemand bringt Futter. War das schon der Probealarm, 18.00 Uhr, vor dem Dunkelwerden? Nach 20. 00 Uhr stelle ich nochmals die Kamera in Position und gebe Licht dazu. Auf dem Film sind 6 Fütterungen in guter Qualität zu sehen. Mit einem Schlaflied auf der Mundharmonika, verabschiede ich die drei in die Nacht. Morgen fliegen sie vielleicht. 07. Mai, 13. Geburtstag
Der Morgen beginnt 05.00 Uhr mit der ersten Fütterung. Die Amselmama sucht auf der Wiese Würmer und Fritz wird von einem Sperling verfolgt. Ob er da wieder…? Fütterungen, Ausruhen und Startversuche, wechseln sich ab. Franz hält sich dabei im Hintergrund und die zwei Großen wollen ihn als Absprungrampe benutzen, aber er will das nicht und quält sich aus dem Clinch. Das Nest quillt bald über und es wird immer noch gemästet. So lange die „Alten bei der Futtersuche zu beobachten" sind, wird noch nicht gesprungen. Glaub ich! Da gibt es bestimmt vorher intensive Lockungen. Schlafen, essen, üben…! Das geht den ganzen Tag so, und ich dachte mir, dass sie heute ausfliegen. Dabei gab es schon sehenswerte Flugversuche von allen dreien vom Nestrand. Doch bevor sie abheben, hüpfen sie ins warme Nest zurück. Warnrufe können die Kleinen schon gut umsetzen. Dabei gehen sie sofort in Deckung, aber bei den Lockrufen wird zwar aufgehorcht, danach auch probiert und dann kommt das große Fracksausen. „Die Alten können uns ja noch einen Tag im schönen warmen Nest bewirten, das ist angenehmer". 19.15 Uhr wird schon wieder geschlafen, da war gestern bis 21.00 Uhr die Fütterung im vollem Gange. Fliegen sie morgen? 08. Mai, 14. Geburtstag Der neue Tag beginnt wie der alte endete. Die Großen, die ich ab jetzt Nr. 1 und Nr. 2, nenne, drängeln sich in die Poolposition, versuchen zu fliegen und trauen sich dann doch nicht. Frieda kommt immer noch doppelt so oft füttern und ich habe schon 15 Stunden Film über Nestbau und Fütterung im Kasten. Nur ein Abflugfilm fehlt noch.
Nach jeder Fütterung gibt es Instruktionen und die Kleinen hören gespannt zu. Dann kommt der Befehl „setzen" und alle drei Köpfe gehen gleichzeitig runter. Nr.2. betritt den Nestrand, den Nr1. bereits bekackt hat, flattert und hüpft ins Nest zurück. Angstamseln! 14.00 Uhr, das gleiche Bild. Dann geh ich für eine Stunde aus dem Haus und lass die Kamera laufen. …und nichts passiert und das auch den übrigen Tag. 09. Mai Flugtag Der Abflugfilm gelingt beinahe.
05.30 Uhr, Nr.1 fehlt im Nest. Verpasst! Jetzt schnell die Kamera positionieren und abwarten! Schon nach zwei Minuten kommt Fritz und füttert die Zwei. Danach klettert er hinter das Nest und prüft die Absprungmöglichkeiten. 5 Minuten danach füttert Frieda und alle sind aufgeregt. Nach weiteren 5 Minuten kommt Fritz erneut und unterbricht die beiden beim Flattern. Nach zwei Minuten fliegt Nr.2 spontan los, fliegt auf ein Körbchen, Tisch und Balkonbrüstung und wird im nächsten Gebüsch mit lautem Gezwitscher empfangen. 06.20 Uhr, Franz allein zu Haus. Er schaut traurig nach unten. Alle 5 Minuten versuchen jetzt die Altamseln, durch füttern und rufen, Franz zum Abflug zu bewegen. Er hat Angst. Frieda bringt einen Gliederfüßler und Franz hebt den Schnabel nicht. Frieda frisst dann eben selbst und Franz atmet schwer. Nach der vierten Fütterung ist Franz soweit aufgebaut, dass er den Lockrufen seiner Eltern gespannt zuhört. 07.51 Uhr, Franz hüpft auf den Nestrand und schreit, Fritz antwortet und Franz springt und setzt hart auf dem Balkonboden auf. Fliegt etliche Male gegen die geschlossene Balkonscheibe und sitzt dann lange in einer Schale mit Ostergras.
Nach einer halben Stunde gelingt ihm dann der Weg zu seinen Eltern, wo sie von etlichen Nebelkrähen attackiert werden. Das war mein letzter Rettungseinsatz für meine Balkonmieter.
Ich verjage die Krähen und aus dem Vogelauflauf tauchen Franz, Fritz und Frieda auf und haben die Attacke überlebt. Nur Fritz hat jetzt noch eine Schwanzfeder weniger. Danach haben wir drei gemeinsam den verängstigten Franz über die Wiese in ein dichtes Gebüsch geleitet. Stunden später sehe ich, wie Fritz und Frieda zu verschiedenen Sträuchern, über Umwege, Futter schaffen und bin froh, dass diese Amselgeschichte einen halbwegs positiven Ausgang gefunden hat. Der Balkon, den ich jetzt wieder Loggia nenne, ist abgeputzt und gesäubert und vor dem Nest steht jetzt eine Vase mit Sonnenblumen. Vielleicht kommen sie ja wieder, akzeptieren die neue Sonnenblumentarnung und auf geht’s in die nächste Eierrunde. Auch zwei Tage später wird immer noch im Gebüsch gefüttert. Bin sehr gespannt, wie das weitergeht.
Fazit: Die Amselfrau legt die Niststelle fest und wartet dort auf den Ausgang des Duells der Amselmänner. Die Amselfrau baut in fünf Tagen ganz allein das Nest und schafft in ca. 300 Einsätzen, Nistmaterial in Form von Ästen, trockenen Blättern und Gräsern, Moosen, Federn und Schlamm, heran. Legt in 5 Tagen 5 Eier. Beginnt ab den 5. Ei an zu brüten. Wird beim Brüten am Nest und auch in den Pausen, in der freien Natur von ihrem Mann gelegentlich gefüttert Gefüttert wird abwechselnd, wobei der Amselmann abwechslungsreichere Kost bringt. Gefressen und gefüttert werden nicht nur Regenwürmer. Auch Ameisen, Ameiseneier, Larven und Käfer, Spinnen, und Beeren werden bevorzugt. Nach 12 Tagen Brüten schlüpfen die Küken und die zerbrochene Eierschale wird sofort ausgeflogen Gefütterte Küken drehen danach ihr Hinterteil nach oben, wackeln mit dem Sterz und geben eine Kotblase ab, die sofort durch den Füttervogel geschluckt wird. Elstern sind die größten Feinde unter den Vögeln. „Fressen und gefressen werden, so ist die Natur" -stimmt dabei so nicht! Elstern töten Amseljunge aus Freude am Töten. Sie beißen ihnen dabei mit dem Schnabel in den Kopf. Nach 14 Füttertagen sind die Jungen flügge, verlassen das Nest, sind aber noch nicht voll flugfähig und werden bis zu zwei Wochen, verborgen im Gesträuch, von ihren Amseleltern betreut.
* ENDE *
| ||||||||||